Das stalinistische Bambi

che

Passend zum Cover der neuen konkret, wobei die Texte darin selbstverständlich eine andere Sicht vertreten, ein älterer Text von Michael Miersch:

Manche Tiere werden von allen geliebt: Robben und Koalabären beispielsweise. Selbst wenn sie zur Plage werden, darf man diesen Tieren nichts tun. Sie sind einfach zu niedlich. Im Naturschutz heißt dieses Phänomen „Bambi-Syndrom“. Che-Guevara-Kult ist politisches Bambi-Syndrom. Jeder weiß, dass der Kommunismus ein Nebelreich der Armut und Unterdrückung war (und in Kuba noch immer ist). Jeder weiß, dass der lateinamerikanische Guerillakampf ein grausames Spiel ideologischer Phantasten war (und in Kolumbien noch immer ist). Und dennoch: Che, der Kommunist und Guerillakrieger gilt als kuchengut wie der Dalai Lama. Während seine Geistesverwandten längst von ihren Betonsockeln gestoßen wurden, prangt Che weiter auf T-Shirts und Postern, eröffnen Bars und Cafés mit seinem Namen, tragen Uhren, Weinflaschen und Skateboards sein Konterfei, erscheinen Bücher in denen, sein erotischer „Duft von Gebirge und Schmutz, Haut und Hitze“ besungen wird (Ana Menéndes: Geliebter Che).

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