Die taz und die Antisemitismuskeule

Via Perlentaucher:

Am Dienstagabend kam es zu einer denkwürdigen Diskussion im Centrum Judaicum Berlin – beziehungsweise gerade nicht. Anlass war ein taz-Artikel der israelischen Israelkritikerin Iris Hefets, die die Ausladung des für seine „Israel = Nazis“-Rhetorik bekannten Antizionisten Norman Finkelstein bei der Böll-Stiftung beklagte. Derartige Kritiker würden durch die Inszenierung einer „Schoah-Relion“ mundtot gemacht – so der Tenor ihres Artikels. Die Jüdische Gemeinde wollte anlässlich des Artikels mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl, Welt-Herausgeber Thomas Schmid und Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff (und Perlentaucher Thierry Chervel als Moderator) über deutsche Medien, Israel und den Antisemitismus diskutieren, aber es kam zum Eklat, weil lauthals brüllende Hefets-Anhänger ein „Tribunal“ gegen die Autorin fürchteten. Ines Pohl solidarisierte sich mit ihnen, forderte eine Einladung Hefets aufs Podium und rauschte ab, als die Jüdische Gemeinde da nicht mitmachen wollte.

Klaus Farber fragt sich, was das Ganze über das Verhältnis der taz zu Norman Finkelstein aussagt:

Wer Finkelstein eine Plattform und das Wort geben will, wie Iris Hefets und auch Ines Pohl, weiß, mit wem er es tun hat. Finkelstein vergleicht Israel nicht nur gern mit Hitlerdeutschland und die israelischen Streitkräfte mit der SS. Das allein würde schon ausreichen, um ihn zumindest in die Nähe der EUMC-Antisemitismuskriterien zu bringen, denen übrigens alle Bundestagsfraktionen mit der Resolution vom 4. November 2008 zugestimmt haben, also auch diejenigen der Grünen und der Linkspartei. Finkelstein ist darüber hinaus ein bekannter und bekennender Hisbollah-Sympathisant.

Samuel Salzborn befürchtet sogar schon einen antisemitischen Ausnahmezustand:

Der Auftakt für einen antisemitischen Ausnahmezustand ist jetzt gemacht, mitgetragen von einem links-alternativen Milieu, das sich selbst fern jeder selbstkritischen Anwandlungen in Sachen Antisemitismus sieht. Doch das seismografische Zentrum zur Unterbindung dieser Radikalisierung und Eskalation liegt ausschließlich in diesem Milieu: nicht nur die „tageszeitung“ ist gefragt, auch die „Grünen“ müssen jetzt Farbe bekennen. Wenn sie dieses Ereignis einfach abtun, machen sie sich zu den Steigbügelhaltern von antisemitischen Pogromen in der Zukunft.

Nachtrag: Ein paar Bilder bei antibuerokratieteam.net

Share and Enjoy:
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email
  • Google Bookmarks

3 Antworten auf “Die taz und die Antisemitismuskeule”


  1. 1 dissi 29. April 2010 um 21:44 Uhr

    danke für die links. freut mich, daß bei perlentaucher intelligente menschen arbeiten.

  2. 2 tousetrien 30. April 2010 um 0:23 Uhr

    nichts zu danken. der perlentaucher ist definitiv einen täglichen blick wert.

  1. 1 Twitter Trackbacks for tous et rien : Die taz und die Antisemitismuskeule: Via Perlentaucher:Am Dienstagabend kam es zu einer denkwürdige... [blogsport.de] on Topsy.com Pingback am 29. April 2010 um 21:47 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.