Über das Elend der deutschen Filmsynchronisation

schreibt der Filmproduzent Günter Rohrbach in der Süddeutschen Zeitung:

Der amerikanische (oder englische) Zuschauer weiß, dass man in Deutschland gemeinhin nicht englisch spricht. Von diesem Wissen macht er Gebrauch. Ein Film, der etwas anderes suggeriert, erscheint ihm als das, was er ist, eine Fälschung.

Im Bewusstsein, über die Weltsprache des Kinos zu verfügen, hat sich im amerikanischen Film wie nirgends sonst sprachliche Authentizität mit idiomatischem Reichtum verbunden. Soweit die Filme in den USA spielen – und das sind ohnehin die meisten – ist in ihnen die Vielfalt der Dialekte und Akzente ebenso präsent wie das Spektrum ethnischer Besonderheiten. Unsere Synchronisationen planieren das auf ein hannoverisches Einheitsdeutsch. Spielt ein Hollywoodfilm außerhalb der USA, sind auch dann die Hauptfiguren in der Regel Amerikaner, was die Kommunikation erleichtert. Es ist wie im wirklichen Leben: Die Nebenfiguren sprechen untereinander ihr eigenes Idiom und mit den Protagonisten jenes Englisch, das ihrem Bildungsstand entspricht. Das erscheint nur konsequent, ist doch Sprache ein Teil unserer Realität. Wenn ich diese abbilden will, kann man eines ihrer wichtigsten Elemente nicht einfach ignorieren.

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