Magnus Klaue über Gerhard Polt

Im Freitag schreibt er anläßlich der Veröffentlichung eines Interviewbandes zu Polts siebzigstem Geburtstag [via]:

Polt dagegen hat seine Arbeit, wie er es im Interview vorführt und bekräftigt, stets als gefährliche Tätigkeit begriffen. Gefährlich, weil der parodistische Mime stets kurz davor steht, sich ganz in seine Rolle zu verwandeln. In Polts bekanntesten Sketchen, etwa über die Katalog-Ehefrau „Mai Ling“ oder „Herrn Tschabobo“, den prototypischen Fremden, der Untermieter bei einer fiesen Familie, wird das auf beunruhigende Weise deutlich. Dass diese satirischen Miniaturen einfach nur den Alltagsrassismus deutscher Spießbürger aufs Korn nehmen, wäre eine zu harmlose Deutung. Vielmehr sind sie mit ihrer emphatischen Bösartigkeit, welche die routinierte Fremdenverachtung nicht einfach anprangert, sondern in den von Polt verkörperten Figuren zu sich selbst kommen lässt, zugleich eine Provokation des im politischen Kabarett üblichen Moralismus, der immer klar zwischen Gut und Böse meint unterscheiden zu können und sich von vornherein auf der sicheren Seite wähnt.

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