Archiv der Kategorie 'bücher'

Über das Warten

In Bahnhofshallen und vor Bankschaltern, in Spitälern und auf Flugplätzen, an Straßenbahnhaltestellen und in Restaurants, in Amtsstuben, an Grenzübergängen und in Leichenhallen siehst du die Menschen warten, gelangweilt oder heiter, trübsinnig oder zukunftsgläubig, ungeduldig oder apathisch, du siehst sie warten und denkst: die warten auch. Aber das ist dir kein Trost. Du willst dein Leben nicht verwarten wie sie, du willst es nicht in den tiefen Schlund der Zeit werfen – Adieu, auf Nimmerwiedersehen –, du willst es in die Hand nehmen, du willst jede Sekunde nützen, wie es sich gehört. Und dann wartest du, genauso wie die anderen. Du wartest auf ein Bier, eine Suppe, einen Braten, einen Kaffee, du wartest auf den Abend, auf ein Mädchen, auf den Beischlaf, auf den Schlaf. Du wartest auf morgen, du wartest auf das Geld, das nie ankommt, wenn du es erwartest, du wartest auf die Liebe, auf einen Freund, einen Brief, auf ein Wort, du wartest auf den Sommer und auf den Winter, du wartest immer, du wartest. daß jemand deinen Trödlerladen betritt und dir etwas abkauft, einen Alten Stuhl mit nur drei Beinen, einen blinden Spiegel oder eine zerbrochene Vase, du wartest, daß es einmal besser wird, du wartest, daß etwas geschieht, was deinem Leben wieder einen Sinn geben könnte, du wartest auf Glück, du wartest auf Gnade, du wartest auf Segen, auf Milde und Verständnis und Vergebung, du wartest auf die Stunde deines Todes, du wartest auf die Auferstehung, aber du wartest vergeblich. Du gehörst nicht zu denen, die auferstehen werden; sollten jemals welche auferstehen, du wirst nicht dabei sein. Du warst, du bist, aber du wirst nicht sein. Du wartest umsonst.

(Dor, Milo: Die weiße Stadt. Wien 1994, S. 114-115)

Christopher Hitchens on Books & Ideas

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Trailer: The Rum Diary

Die langerwartete Verfilmung von Hunter S. Thompsons erstem Roman. [via Totally Gonzo]

Christopher Hitchens und Salman Rushdie beim Herumalbern

Braune Schlümpfe?

Die Literaturzeitschrift Paris Review weist auf das Buch The Little Blue Book: A Critical and Political Analysis of the Smurf Society von Antoine Buéno hin, in welchem er die Gesellschaft der Schlümpfe folgendermaßen beschreibt:

Smurfs, charming blue imps or horrible Stalinists, racists, and antisemites? … In complete autocracy, the smurf society is collectivist and directed by a single and omnipotent leader, the great Smurf. They are ridiculous puritans … Racism is obvious in the black Smurf album where purity of blood becomes vital … Or in that of The Smurfette, where the blond Aryan is idealized. Their sworn enemy, Gargamel, has a profile reminiscent of an antisemitic caricature and his cat is named Azraël.

Nachtrag (via Boing Boing): Im Interview mit dem Guardian sagte Buéno noch dies:

People think I‘m moralising, which isn‘t my approach at all, (Buéno says). I analyse fairly, I have fun … I do not want to disenchant. One can keep one’s childhood approach and impose on top an analytical approach which smiles to itself.“

He believes the emotional nature of the responses stems from the Smurfs‘ place in fans‘ childhoods. „It’s linked to childhood – it’s ‚don‘t touch my Smurfs! Don‘t touch my Proust’s madeleine!‘,“ he said. Le Petit Livre Bleu is a „true monograph, the first ever done on the Smurfs“, says Buéno, and is „rigorous and thorough and documented“, based on intuitions expressed long before his book, including the „Cold War paranoia“ that Smurf stood for „Small Men Under Red Force“, and exploring his belief that „popular works, however innocent they seem, have much to say about our society“.

But despite its serious purpose, the book „does not take itself seriously“, he said. „My approach is schoolboy, somewhat in the spirit of Monty Python (my heroes) … Of course it’s funny to talk about totalitarianism, Stalinism and nazism for small animals as friendly, innocent and popular as the Smurfs,“ he said. „It’s so obvious that I didn‘t think I would have to spell it out…“

Buéno added that he does not believe the Smurfs‘ creator Peyo, a pen name for the late Belgian artist Pierre Culliford, added the racist overtones to the Smurfs deliberately. „Peyo was not at all politicised; all this was unconscious,“ he said.

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Links zum Sonntag

Vultures
(via who killed bambi?)

Destroy All Movies!!! The Complete Guide to Punks on Film

Destroy All Movies

The Gentlemens Guide To Midnite Cinema stellt das Buch in einem ausführlichen Interview mit Zack Carlson, einem der Herausgeber, vor.

Bukowski II

Bukowski

Video: Ben Folds, Nick Hornby & Pomplamoose – Video Song


(via mental_floss Blog )