Archiv der Kategorie 'veranstaltungen'

2 Vorträge von Magnus Klaue

Bürgerliche Kälte – Zur Aporie historischen Eingedenkens in der Kritischen Theorie [via Erinnern, Vergessen, Verdrängen]

Daß die „Dialektik der Aufklärung“ an ihren „schwärzesten Stellen“ vor der „These der Gegenaufklärung“ resigniere, daß der Schrecken sich nicht abschaffen lasse, und zu einer negativen Geschichtsmetaphysik zu gerinnen drohe, hat bereits Jürgen Habermas 1963 festgestellt. Es war sein Entrebillet ins Racket der Nachlaßverweser des Erbes von Horkheimer, Benjamin und Adorno, das seinen Aufstieg zum Chefphilosophen der neudeutschen Zivilgesellschaft ermöglichte. Doch auch bei Leuten, die keiner Sympathie mit Habermas verdächtig sind, ist die Behauptung populär, dass die „Dialektik der Aufklärung“ und die „Negative Dialektik“ durch ihre Hypostasierung der negativen Totalität des Geschichtsprozesses jede empathische Identifikation mit „den Opfern“ unmöglich machten, ja die Differenz zwischen Tätern und Opfern gar nicht mehr denken könnten. Gegenüber diesem verschämten Abschied von der Kritischen Theorie, der sich neuerdings auf Jean Améry beruft, soll der Vortrag zeigen, daß die Verweigerung einer gefühligen Identifikation mit den Opfern der Shoah und die „kalte“ Vernachlässigung des empirischen Einzelschicksals bei Adorno sich selbst als Konsequenz historischen Eingedenkens angesichts eines Menschheitsverbrechens verstehen lassen, das den Begriff des „Einzelschicksals“ bis ins Innerste fragwürdig gemacht hat. Gerade deshalb hat die frühe Kritische Theorie vom Opfergedenken einen verbindlicheren Begriff als die seither entstandene nationale Gendenkkultur, die „die Opfer“ nicht empathisch genug betrauern kann, um umso gründlicher zu vergessen, woran sie erinnern und wozu zu sie auffordern.

Die Vermittler der Vermittlung [via APDT Jena]

Eigentlich gehört es zum Selbstverständnis “einer progressiven Linken”, die neuen Medien als potentiell kritisch oder gar revolutionär zu affirmieren. Jedenfalls legt eine lange Tradition der Theorien “emanzipatorischer Aneignung” der neuen Medien, von Brecht über Enzensberger bis zum angewandten Medienmanagement eines Norbert Bolz, dies nahe. Dass sich neuerdings wieder dezidierte Medienkritiker unter Linken zu Wort melden, ist dennoch kein Widerspruch. Denn auch sie distanzieren sich sofort vom vermeintlichen Kulturkonservatismus der Mediendefätisten Horkheimer und Adorno und praktizieren Kritik als das, was sie mittlerweile fast nur noch ist: als pädagogische Rezipientenberatung, mithin als Einschwörung des Publikums auf die zur Totalität gewordene Sphäre falscher Vermittlung.

Veranstaltungstipp: Zur Lage Israels nach dem »Arabischen Frühling«

Die politische Situation in der arabischen Welt hat sich im letzten Jahr grundlegend gewandelt. Nach dem Sturz der Diktaturen in Tunesien, Ägypten sowie den Aufständen in Bahrain, dem Jemen und in Syrien keimte seit langer Zeit wieder Hoffnung in einer Region auf, die sich in den letzten Jahrzehnten vor allem durch gesellschaftliche Stagnation auszeichnete.

Die israelische Regierung reagierte jedoch von Beginn an skeptisch auf die Entwicklungen und in der Öffentlichkeit begann eine Debatte darüber, ob die Sicherheitsinteressen des Landes mit einer grundlegenden Demokratisierung der arabischen Länder vereinbar sind.

Auch wenn der Ausgang des arabischen Frühlings noch nicht abzusehen ist, scheint sich diese skeptische Haltung zu bestätigen. In allen Ländern, in denen diktatorische Regimes gestürzt wurden, haben sich Islamisten zur stärksten politischen Partei entwickelt. In Ägypten konkurrieren gar radikale Islamisten wie die Muslimbrüder mit noch radikaleren Salafisten darum, wer die Regierung stellt.

Die liberalen, fortschrittlichen Kräfte, die anfangs eine wichtige Rolle in der ‚Facebook-Revolte’ spielten, wurden an den Rand gedrängt und sind kaum mehr wahrnehmbar.

Was bedeutet die Entwicklung in der arabischen Welt für Israel? Wie steht es um die Sicherheitsinteressen und den Friedensvertrag mit Ägypten? Gibt es noch Anzeichen für eine mögliche Liberalisierung der arabischen Länder, die sich langfristig positiv für Israel auswirken könnte?

Diese und weitere Fragen sollen an diesem Abend mit Tal Gat diskutiert werden, dem Leiter der Abteilung Öffentlichkeit der Israelischen Botschaft in Deutschland.

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus in Zusammenarbeit mit dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Dienstag, 7.2.2012, 19:00 Uhr
Zeitgeschichtliches Forum (Grimmaische Str. 6, 04109 Leipzig)

Fellini-Schau

fellini

Zwischen dem 2. und 29. Januar präsentiert die Schaubühne Lindenfels 15 Filme und mehrere Veranstaltungen zu bzw. von Frederico Fellini. Genaue Informationen dazu finden sich hier.

Trailer: EDGE – perspectives on drug free culture

EDGE – perspectives on drug free culture wird übrigens am 12.12.2009 im Conne Island gezeigt.

Tobias Ebbrecht: Europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale

Der Filmwissenschaftler Tobias Ebbrecht spricht über den Film Letters to the President, die europäisch-iranische Kulturpolitik am Beispiel der Berlinale und das aktuelle iranische Kino.

Heute Abend ist er übrigens im Kaufhaus Joske zu Gast. Im Anschluss an Haroun Farockis Kurzfilm Aufschub hält er dort den Vortrag „Hinter den Bildern, Annäherung an die Vergangenheit als Filmessay“.

Vortrag: Mit wem reden? Der sogenannte ›kritische Dialog‹ und das iranische Regime

Warum mit Vertretern eines Staates reden, welcher den islamischen Terror ausbildet und finanziert, Israel mit der Vernichtung droht und den Holocaust leugnet? Was kann der politische Dialog mit der Islamischen Republik Iran bewirken? Welche Intention verfolgen die Vertreter des sogenannten ›kritischen Dialogs‹? Wird das Ergebnis der Präsidentschaftswahl Auswirkungen auf die iranische Position haben?

Der Vortrag von Stephan Grigat (café critique) findet morgen um 19.30 Uhr in der Aula der Alten Nikolaischule im Nikolaikirchhof 2 statt. [via Stop the Bomb]

Vortrag: Der Iran und die Nazis

Während Nazideutschland auch unter Muslimen weltweit Bewunderung und Unterstützung bis hin zur militärischen Kollaboration zukam, ist heute die Islamischen Republik Iran die Macht, der sich seit 30 Jahren Nazis aus aller Welt zuwenden. Die islamische Revolution im Iran hat schon von Beginn an Bewunderung und Unterstützung aus prominenten Nazikreisen erhalten, zahlreiche Nazis und Holocaust-LeugnerInnen haben seit 1979 im Iran Zuflucht vor juristischer Verfolgung gefunden und geben in Teheran Nazi-Schriften heraus. Der Vortrag soll deutlich machen, warum es gerade in Deutschland eine antifaschistische Notwendigkeit ist, Islamismus und besonders das im Iran seit 1979 wütende Regime in die theoretische wie praktische Kritik mit einzubeziehen.

Der Vortrag von Martin Tröger findet morgen um 19.30 UHr im Conne Island statt. [via Stop the Bomb]

Leipzig und die fehlende Bundesliga

Der Leipziger Fußball ist seit Jahren geprägt von zerplatzten Träumen, Enttäuschungen, Misserfolgen und viel „verbranntem Geld“. Dabei hatte es der VfB Leipzig zu Beginn der Neunziger für ein Jahr in die Erste Bundesliga geschafft, bevor er tief stürzte.
Ungetrübte Fußballfreude konnten die Leipziger allein zu Zeiten der WM und beim Confederations Cup erleben. Das neue Zentralstadion bot dafür allerbeste Bedingungen.
Im Leipziger Fußballalltag aber dümpelt der FC Sachsen wieder einmal im unteren Tabellenbereich und stets kurz vor der Zahlungsunfähigkeit dahin.
Der FC Lok hat zwar nach der Insolvenz des VfB eine beeindruckende Aufstiegskette hingelegt, dürfte aber in der Saison 2009 / 2010 an seine Grenzen stoßen.
Und dann gibt es neben den sportlichen Misserfolgen immer wieder ebenso peinliche wie brutale Randale, Ausländerhass und Rechtsradikalismus, die überregional das Bild vom Fußball im Osten prägen.
Bei Problemen wird schnell nach der Stadt gerufen, nach einer Bündelung der Kräfte bei der lokalen Wirtschaft. Beiden wird vorgeworfen, sie würden sich immer weiter zurückziehen. Schließlich soll es der warme Geldregen eines Mäzens richten.
Vielleicht aber gehören FC Sachsen und Lok aber gar nicht die Zukunft im Leipziger Fußball, vielleicht braucht es eine dritte Kraft, auf den sich alle Beteiligten und Förderer vereinen lassen?
Ob die Situation wirklich so verfahren ist oder ob es Auswege gibt, darüber möchten wir diskutieren.

Beim Chemieblogger bin ich auf die morgen, um 18 Uhr, im Studio 3 von Leipzig Fernsehen, stattfindende Diskussion aufmerksam geworden.

Alles Roger?

Nachdem das Conne Island im Sommer keine Spiele der deutschen Nationalmannschaft zeigen wollte, hat es mich doch etwas gewundert, dass währenddessen ein Konzert von Roger von Blumentopf angekündigt wurde. Schließlich waren Blumentopf bei der Euro für die schrecklichen Rapzusammenfassungen der Deutschlandspiele verantwortlich. Vor kurzem las ich dann Folgendes im CEE IEH:

Im Laufe der EM, das Konzert mit Roger war schon lange geplant und teilweise beworben, wurden die RAPortagen Rogers und dem Rest des Topfes Gegenstand der Diskussionen. In diesen RAPortagen wurde eben diesem positiven Nationalgefühl gehuldigt, durch euphorische Zusammenfassungen ausschließlich der Spiele der deutschen Nationalmannschaft. Blumentopf zelebrierte letztlich das, was wir seit Jahren kritisierten – ein popkulturelles, freundliches und modernes deutsches Selbstbewußtsein. In der auch vom Conne Island initiierten Kampagne „I Can`t Relax in Deutschland“ wurden die Facetten dieses neuen Nationalismus viefach beschrieben und kritisiert.

Schön und gut, nur leider hattten Blumentopf bereits während der WM 06 ihre RAPortagen abgeliefert.

tincAber auch egal, ich habe auch kein grundsätzliches Problem damit, wenn bestimmte Veranstaltungen nicht im Conne Island stattfinden. Ich kann nur oft nicht nachvollziehen, weshalb manche Konzerte stattfinden und andere kurzfristig wieder abgesagt werden.
Besonders nachdem ich vor kurzem gelesen habe, dass im Dezember die antimperialistischen Rocker vonThe (International) Noise Conspiracy wieder im Conne Island spielen wird. Beim letzten Konzert gab es zwar bereits einiges Unverständnis, dies wurde aber, wenn ich mich recht erinnere, mit der Begründung, dass so wenigstens mal die Hütte voll wäre, abgetan. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass sich T(I)NC, im Gegensatz zu Roger, als Kommunisten bezeichnen. Dafür gibt es zum Ausgleich am 22. Oktober den Vortrag „Islamisches Patriarchat und Postfeminismus“ von Thomas Maul zu hören.

Auf dem Bild ist übrigens T(I)NC Bassist Inge Johansson beim Arafatgedenken zu sehen. Nebenbei spielt er auch noch in der antizionistischen Punkband Totalt Jävla Mörker.

So ein Jammer

Wir merken, dass die Zahl außergewöhnlicher Dokumentarfilme abseits der typischen Fernseh- Erzählweise und Ästhetik rar sind, da die Sender sie fast nicht mehr finanzieren.

Wir haben die Sorge, dass immer weniger künstlerische Dokumentarfilme für die große Leinwand entstehen.

Die meisten öffentlich- rechtlichen Sender nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung auf diesem Gebiet nicht wahr.

Dies sagt Claas Danielsen der Direktor des Leipziger Dokfilmfestival in der LVZ. Wenn ich aber an die Filme beim letztjährigen Festival zurückdenke, kann ich durchaus verstehen, warum nicht mal mehr die öffentlich- rechtlichen Sender bereit sind, dafür Gelder bereit zu stellen.
So muss das Festivalprogramm dieses Jahr aus läppischen 2400 eingereichten Filmen zusammengestellt werden.